Wir haben überlebt (Text zur Ausstellung „Randbemerkungen“,  aff Berlin 2012)

Die Idee für die Bildserie „X Days Clean – Wir haben überlebt“ entstand im Jahr 2009 beim Fotografieren von Stadtansichten in den Parks des Anlagerings von Frankfurt am Main. Als in der Taunusanlage die wohl größte offene Drogenszene in Europa 1992 aufgelöst wurde, zählte man in Frankfurt im Zeitraum von fünf Jahren 586 Drogentote. In einem Park mitten in der Stadt, umrahmt von den Hochhaustürmen der Banken und Finanzimperien, gingen täglich bis zu tausend Abhängige ihrer Sucht nach. Es herrschte ein rechtsfreier Raum, eine Endzeitstimmung, es wurde gedealt, offen konsumiert, geplündert geraubt und gestorben – ein Mikrokosmos von Individuen, die mit der Gesellschaft abgeschlossen hatten.

„Die Taunusanlage ist für mich ein Ort des kollektiven Leids“, unterstreicht Rob Bensky. Ähnlich den Stätten, die von Naturkatastrophen heimgesucht wurden, an denen Schlachten stattfanden oder Menschen dramatische Unglücke passierten.

Mit Ritualen können Räume geöffnet oder verschlossen werden. „In diesem Sinne ist es meine Absicht, den Platz mit Portraits von abstinenten Abhängigen, welche die Apokalypse in diesem Park überlebt haben, neu zu verknüpfen.“

Rob Bensky will keine Lebensgeschichte der Personen erzählen, um sie in ihrer Anonymität zu belassen. Die Cleanzeit in Tagen zum Zeitpunkt der Aufnahme sieht er als einen individuellen Zeitstempel, der die Besonderheit des Momentes verdeutlicht.

„Nach 20 Jahren cleane Süchtige zurück an den Ort zu begleiten, an welchem sie mit den Dämonen der Vergangenheit konfrontiert wurden, erzeugte eine starke Intensität während des Fotografierens. Bemerkenswert fand ich den Mut, sich dort zu zeigen als die Persönlichkeit, die sie heute sind.“

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  • Ausstellung „Randbemerkungen“, aff Berlin 2012

  • Ausstellung „Randbemerkungen“, aff Berlin 2012